Darum verzichten Sie besser auf einen Newsletter

Das Bild zeigt einen Bläser mit einem einfachen Blasinstrument

Wer einen Newsletter versenden will, sollte sich einige Gedanken zu Inhalt, Gestaltung, Erscheinungshäufigkeit, Zeitaufwand usw. machen. (Foto: Markus Schudel)

Von einem Newsletter verspricht sich der Absender viel. Täglich treffen mehr oder weniger beeindruckend gestaltete, verheissungsvolle Infos in der Mailbox ein: zur mehrwöchigen Cuba-Reise, zum neusten Mini-Cooper, zur Weiterbildung an der Fachhochschule, zu Kleider, LED-Lampen, Druckerpatronen oder Viagra-Pillen. In deutscher, englischer, chinesischer Sprache. Viele verdammen die unerwünschte Online-Post – etwa so wie Telefonanrufe eines Callcenters. Entsprechend häufig wird nach dem Unsubscribe-Link gesucht, um sich wieder abzumelden.

Elektronisch, regelmässig, informativ

Der Newsletter ist ein meist elektronisch, regelmässig verschicktes Mitteilungsblatt – auch Verteilernachricht, Infobrief oder Rundschreiben genannt. So knapp definiert Wikipedia den Newsletter. Nichtsdestotrotz ist es ratsam, sich vorab einige Gedanken zu machen, ehe man sich für einen elektronischen Infobrief  entscheidet, denn es kommen technische, inhaltliche, gestalterische, finanzielle Fragen auf Sie zu. Und Sie benötigen einen langen Atem.

Erwartung: Was soll ein Newsletter bringen?

Ein Newsletter ist nicht in erster Linie ein Verkaufsinstrument, sondern ein PR-Mittel, das vorab der Informations- und Imagevermittlung dient. Damit ruft man sich den potenziellen Kunden in Erinnerung, um dann – wenn eine Kaufabsicht akut wird – hoffentlich eher berücksichtigt zu werden. Wer nicht so lange warten will oder kann, der schaltet besser Werbung in den zielgruppenrelevanten Online- und Printmedien.

Zielgruppe: Wen will ich damit ansprechen?

Ein schön gestaltetes und regelmässig verschicktes Mitteilungsblatt verpufft seine Wirkung, wenn die Empfänger damit nicht wirklich erreicht werden. Welche Interessen, Merkmale, Eigenschaften, Fragen haben Ihre Zielgruppen?

Konzept: Was für Rubriken beinhaltet mein Newsletter?

Die möglichen Inhalte sind zahlreich: Produkteneuheiten, Sonderangebote, Anwendungsbeispiele, Testimonials zufriedener Kunden, Präsentationen von Mitarbeitern oder Partnern, Hintergrund- und Brancheninformationen, Wettbewerbe, FAQ, How-to-Anleitungen, Technisches, Rezepte, Bilder, Grafiken, Videos etc. Fragen Sie sich, ob diese Inhalte Ihren Kunden wirklich von Nutzen sind, und ob Sie qualitativ und quantitativ über genügend Fachkenntnisse verfügen, um wiederholt davon zu berichten.

Integration: Wie stimme ich meinen Newsletter mit andern Massnahmen ab?

Völlig losgelöst schwebt der Newsletter ins Nichts. Wie binden Sie diese Massnahme in Ihren Marketingmix ein? Werden die Inhalte auf der Webseite vertiefter ausgeführt? Gibt es eine Landingpage? Stehen die Bilder und Artikel danach im Blog oder im Archiv? Weisen Sie in den Social Media auf Ihren Newsletter oder auf einzelne Themen hin? Gibt es einen Handlungsaufruf (Call to action), der zu etwas animiert? Kann man sich für Ihren Newsletter an- und abmelden? Sind die Inhalte Ihres elektronischen Rundschreibens auf Geschäftsaktualitäten wie Messen, saisonale Gegebenheiten etc. abgestimmt?

Inhalte: Verfüge ich über genügend Inhalte, die ich regelmässig vermitteln will?

Der Enthusiasmus schwindet rasch, wenn Ihnen die Ideen für Inhalte nach drei oder vier Ausgaben ausgehen: Was schreiben Sie in Newsletter Nummer 10 oder 22? Definitionsgemäss erscheint ein e-Infobrief regelmässig. Selbstverständlich können und müssen Rubriken oder Inhalte später angepasst und immer wieder neu überdacht werden. Dennoch benötigen Sie einen langen Atem, in regelmässigen Abständen über Ihre Anliegen zu berichten. Haben Sie den?

Gestaltung: Wie soll mein Newsletter gestaltet sein?

Verwechseln Sie dieses Kommunikationsmittel bitte nicht mit einer E-Mail, einem Word- oder PDF-Dokument. Zwar kann ein Newsletter in Textformat oder als PDF verschickt werden, doch zeichnen sich Newsletter durch Gestaltung, Bilder, Personalisierung etc. aus und werden daher auf HTML-Basis erstellt. Dafür gibt es Anbieter, die Vorlagen zur Verfügung stellen oder die Erstellung von Newslettern wesentlich vereinfachen. Garantieren müssen Sie ausserdem, dass man Ihre e-Schreiben auf Laptop, Tablet und Smartphone empfangen sowie lesen kann (Responsivität).

Häufigkeit: Wie häufig will ich informieren?

In der Regelmässigkeit des Versands liegt die Stärke des Newsletters. Haben Sie Zeit, in regelmässigen Abständen zu informieren? Verfügen Sie über genügend Informationen, die gewählten Rubriken Ihres Newsletter zu füllen? Soll das wöchentlich, monatlich oder in welchen Abständen erfolgen? Bedenken Sie, dass Sie die Rubriken nicht ständig abändern sollten, weil das möglicherweise wiederum Änderungen in der Gestaltung mit sich zieht.

Kosten: Welche Kosten kommen auf mich zu?

Ja, ein Newsletter kostet – Zeit, Geld und Engagement. Es ist wichtig, mehr in die Vorarbeit zu investieren, um später nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben. Stellen Sie ein Budget auf für Konzeption, Bilder, Gestaltung, Redaktion und Versand. Schreiben Sie selber oder lassen Sie schreiben? Wer redigiert? Haben Sie ein Redaktionskonzept und einen Medienplan für die nächsten 12 Ausgaben? Wer betreut die technische Seite? Welcher Anbieter eignet sich am besten? Vergessen Sie nicht, dass je nach Anzahl Bildern auch noch Send-Credits zu bezahlen sind.

Adressen: Woher nehme ich die Email-Adressen?

Als Spammer gilt, wer Werbeinformationen ungefragt an Adressen verschickt. Spammer sind verpönt. Spam ist negativ fürs Image. Es ist daher fragwürdig und eigentlich verboten, Newsletter an E-Mail-Adressen zu versenden, wenn man den Empfänger nicht um Erlaubnis gefragt hat und dieser explizit zugestimmt hat. Sie benötigen daher zumindest eine Opt-in- bzw. Opt-out-Lösung: Man kann sich für Ihren Newsletter an- aber auch ebenso unkompliziert wieder abmelden.

Personalisierung: Wie spreche ich die Empfänger an?

Eine weitere Stärke dieser elektronischen Mitteilungsform liegt in der Personalisierung: Lieber Peter, sehr geehrte Frau Dr. Müller, Du oder Sie. Sie können Ihre Empfänger so anschreiben, wie Sie es für richtig halten – und auch innerhalb Ihres Newsletters individuell auf einzelne Adressaten eingehen, gleichzeitig aber viele erreichen. Oder Sie lassen die Anrede und die Unterscheidung nach Du  oder Sie ganz fallen. Das bedingt jedoch, dass die Inhalte entsprechend verfasst sind.

 

Ein Newsletter ist definitiv mehr als nur Tuten und Blasen. Aus all diesen Gründen verzichten Sie besser darauf. – Nein, natürlich nicht! Aber es kommen einige Fragen auf Sie zu, die zu Beginn gestellt und beantwortet werden sollen.

 

Conversion-Killer: Warum schauen sie bloss und kaufen nicht?

Das Bild zeigt einen Killer

Conversion-Killer: Wenn sich viele Interessenten auf einer Webseite über ein Angebot informieren, dann jedoch nicht kaufen, so muss wohl irgendwo ein Killer unterwegs sein. (Foto: M. Schudel)

Neulich überlegten wir mit einem Kunden zusammen, für den wir Adwords  (Onlinewerbung) auf Google schalten, warum nur einer von zehn Webseite-Besuchern effektiv einen Kauf tätigt. Wir wollten diese Conversion-Rate verbessern, was in der Marketingsprache so viel bedeutet wie, Interessenten vermehrt für Käufe zu gewinnen.

Glaube keiner Statistik

Bekanntlich soll man keiner Statistik glauben, die man nicht selber gefälscht hat, aber das bringt einen selbst und ein Unternehmen nicht wirklich weiter. Auch wenn Statistiken das eigene Urteil nicht ersetzen, so darf man sie weder unter- noch überschätzen. Wir überlegten also der Reihe nach, wo der Grund für diese bescheidene Ausbeute liegen könnte.

Was killt die Conversion?

  • Anzeigen versprechen zu viel: Anzeigen werben für ein Produkt oder wollen den Kunden eine Dienstleistung schmackhaft machen. Wenn man zu viel verspricht, wenden sich die Kunden enttäuscht ab und kommen nicht so schnell zurück. Haben wir vielleicht zu dick aufgetragen?
  • Technische Fehler: Um eine Conversion-Rate zu messen, muss auf den Adwords-Anzeigen und im Onlineshop ein HTML-Schnipsel hinterlegt werden, womit man nachvollziehen kann, dass die Werbeanzeige zu einem Kauf geführt hat. Könnte es sein, dass dieser Tracking-Code falsch eingebaut wurde?
  • Verunsicherter Kunde: Wenn von zehn Menschen nur einer einen Onlinekauf wagt, kann das aber auch bedeuten, dass der Käufer zu wenig Informationen hat, verunsichert ist und Angst hat, sein Geld falsch auszugeben.

Sich in den Kunden versetzen

So schauten wir uns den ganzen Verkaufsprozess aus Sicht des Kunden genau an:

  • Sind die Anzeigentexte der Adwords in Ordnung?
  • Stimmt die technische Seite und der Ablauf?
  • Müssen die Informationen auf der Webseite quantiv und qualitativ verbessert werden?

Wenn man sich in den Kunden versetzt und sich überlegt, ob man ohne das fachliche Vorwissen alles versteht und nachvollziehen kann, so dürfte der springende Punkt in einem Informationsdefizit liegen. Fragen Sie sich also:

  • Sind genügend Informationen, Beispiele und Muster auf der Webseite vorhanden, so dass sich der Kunde ein Bild machen und einen Entscheid fällen kann?
  • Gibt es auf der Webseite eine Rubrik mit häufig gestellten Fragen (FAQ), die die Anliegen anderer Interessenten zeigen und beantworten?
  • Sind Angebote, Vergünstigungen, Rabatte und Spezialofferten ausreichend erklärt, so dass man diese gegebenfalls einfordern kann, ohne sich noch zusätzlich persönlich absichern zu müssen?
  • Muss sich der Kunde noch telefonisch informieren, um seine letzten Zweifel auszuräumen?

Ein telefonischer Kontakt ist gut. Aber vielleicht können Sie sich und Ihren Kunden Zeit und Umwege ersparen.

Finden Sie heraus, was die Leute alles wissen wollen, und wo sich Wissenslücken auftun, die den Kaufentscheid verhindern oder unnötig herauszögern.

Vielleicht finden Sie so den Conversion-Killer.

 

Kurzberatung mit Geld-zurück-Garantie

Klarsicht dank gezielter Fragen

Ein Markeingplan soll mit gezielten Fragen klare Antworten auf dem Weg zum Ziel liefern. (Bild: Markus Schudel)

Beanspruchen Sie eine Kurzberatung, in der wir Ihr Anliegen 90 Minuten lang analysieren oder bereits konkrete Umsetzungsschritte einleiten.

Sie wollen beispielsweise

  • eine Analyse Ihres Internetauftritts, weil Sie Ihre Zielgruppen besser erreichen möchten.
  • Ideen für relevante Inhalte gewinnen und diese auch umsetzen.
  • eine Zweitmeinung zu einer geplanten Massnahme einholen.
  • einen Verkaufsbrief redaktionell überarbeiten lassen.
  • das Konzept für ein Kreativmailing entwerfen und realisieren.
  • wissen, mit welchen Social Media Sie wie am besten auftreten.

Beschreiben Sie mir via Formular unten Ihr Anliegen und fügen Sie Ihre Koordinaten an.  Nach Ihrer Überweisung erhalten Sie einen kurzen Fragenkatalog, dessen Beantwortung mir die nötigen Hintergrundinfos vor unserem Telefonat liefert. So kann ich Sie optimal beraten, sei es in Bezug auf Ideen, Massnahmen oder Strategien. Sie sparen sich nicht zuletzt auch teure und zeitaufwändige Umwege sowie Fehler. Lesen Sie mehr über meinen langjährigen Erfahrungshintergrund in Marketing und Kommunikation.

Fällen Sie anschliessend ein Urteil.  Wenn Sie mit dem Resultat nicht zufrieden sind, erstatte ich Ihnen den Betrag zurück: Kurzberatung mit Geld-zurück-Garantie. Ihr Risiko ist also minim, denn ich möchte, dass Sie zufrieden sind.

Schreiben Sie mir Ihr Anliegen und vergessen Sie Ihre Koordinaten nicht:

Ihr Name (Pflichtfeld)

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Betreff

Ihre Nachricht

 

Es war einmal… Was macht gutes Storytelling aus?

Das Foto zeigt einen Bub, der die Schneeflocken bestaunt.

Es war einmal ein kleiner Bub, der sah zum ersten Mal Schnee in seinem Leben… – So könnte ein Storytelling für wintertaugliche Kinderkleidung beginnen, oder nicht? (Foto: M. Schudel)

Wenn ich meinem fünfjährigen Sohn eine Geschichte erzähle, dann kommt das manchmal ganz gut an: Der Kleine ist fasziniert, hört mir zu, stellt Fragen, macht sich eigene Gedanken und fühlt mit dem Helden der Geschichte. Dann weiss ich: Das ist eine gute Story. Was genau ist gut, und wie kann ich Erwachsenen Geschichten erzählen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung kaufen sollen? 

Man nehme Normalität und Drama…

Das Rezept für eine gute Geschichte lautet beispielsweise:

  • Ein ganz normaler Mensch muss sein gewohntes Umfeld verlassen,…
  • sich einer geheimnisvollen oder bedrohlichen Lebenssituation stellen, …
  • einen Kampf zwischen Gut und Böse austragen, …
  • was mit Ängsten und Hoffnungen verbunden ist, …
  • jedoch mit Mut und Glück erfolgreich gemeistert wird, …
  • was authentisch und vertrauenswürdig wirkt, …
  • und ihn zu einem Helden macht.

…und erreiche Verstand und Gefühle

Eine Geschichte ist dann gut, wenn der Zuhörer mit einer leicht verständlichen und authentischen Handlung über Gefühle und Verstand angesprochen wird, sich mit dem Protagonisten identifiziert und dessen Handlungen oder Ziele für sich selber zum Vorteil macht.

Einige werden einwenden, dass sich Geschichten für die eigene Branche oder das eigene Produkt nicht eignen. Mit etwas Phantasie und Kreativität können „unpersönliche“ Produkte oder Dienstleistungen erstaunlich emotional aufgeladen und dennoch mit einer klaren Botschaft vermittelt werden.

  • Der chancenlose Weihnachtsmann: Im Weihnachtsvideo einer Sicherheitsfirma wird Sankt Niklaus gezeigt, der vergeblich versucht, durch Türen, Fenster, Kamin, Luft- und Lichtschächte in ein Haus zu gelangen, in dem er die Kinder besuchen und beschenken soll.  Pech für die Kinder, Glück für die Hauseigentümer, die dank der Sicherheitsvorkehrungen keine Einbrecher befürchten müssen. – Eine vertraute Geschichte vermittelt mit einer komplett anderen Pointe die Botschaft „Sicherheit für Ihr Eigenheim.“
  • Der unabhängige Cowboy von Marlboro-Country:  Marlboro hat mit seinen Geschichten rund um den unabhängigen, männlichen Cowboy, der viele Abenteuer in der freien Natur erlebt und seine Abende am Lagerfeuer verbringt, insbesondere bei Männern geheime Sehnsüchte und Wünsche angesprochen. – Die Botschaft ist einfach: „Come to Marlboro Country“ – und sei es nur via Zigarette (aber das ist doch schon was).
  • Der zweite Handschuh: Es gibt auch originelle Rahmengeschichten für Kleinbetriebe, wie jene des Garagisten, der seine Kunden im Oktober anschreibt, es werde demnächst kalt und voraussichtlich bald schneien. Es sei Zeit für einen Auto-Wintercheck. Dem Begleitbrief legt er einen schönen Lederhandschuh bei, fordert die Leser auf, diesen mit dem Auto zusammen zum Wintercheck zu bringen. Man erhalte dann auch den zweiten Handschuh geschenkt. – Eine sinnvolle Idee: Den Wintercheck muss ich ja sowieso machen – und dann erhalte ich erst noch ein nützliches Geschenk.

Wenn Sie keine passende Geschichte finden, die sich für Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung eignet, dann machen Sie sich selber zur Geschichte des Unternehmens und erzählen davon. Oder lassen Sie Kunden über die Vorteile sprechen, die Sie dank Ihres Angebots in ihrem Leben haben.

Eine hervorragende Inspirationsquelle für Ideen und Storys sind übrigens Kindergeschichten.

Kunden verlieren – Kunden gewinnen – Kunden halten

Kunden gewinnen - Kunden verlieren - Kunden halten

Neue Kunden gewinnen, ist eine Kunst. Neben Pech und Glück gibt es aber noch Kategorien, die man selber beeinflussen kann. (Foto: Fotolia)

Manchmal ist einfach der Wurm drin: Man macht (scheinbar) alles richtig, aber der Auftrag kommt nicht zustande. Vielleicht liegt es am Preis, an der Leistung, am persönlichen Auftritt oder daran, dass ein Mitbewerber einfach mehr Glück hat. Vielleicht haben Sie sogar nachgefragt und eine Antwort erhalten. Aber bekanntlich braucht es zwei Parteien, damit ein Vertrag abgeschlossen wird. Woran kann es liegen? Oder liegt es möglicherweise auch an einem selber?

Was läuft schief?

Bereiten Sie eine mehrspaltige Tabelle vor und blicken Sie zurück: Stellen Sie sich alle Begegnungen mit Menschen vor, die Sie als potenzielle Kunden vorgesehen hatten. Versetzen Sie sich in die damalige Situation und überlegen Sie, was schief gelaufen ist. Danach schreiben Sie Ihre Erkenntnisse in die Tabelle, die Sie beispielsweise so aufteilen:

  • Name der Person oder Firma
  • Angebot oder Dienstleistung
  • Grund für die Absage
  • Zwischentöne

Die Tabelle ist nur für Sie gedacht. Sie können also offen und ehrlich alles hineinschreiben, was Ihnen zur Situation in den Sinn kommt – auch die Zwischen- und Grautöne, die in die Begegnung hineinspielten.

Wichtig ist, sich danach Zeit für eine Analyse zu nehmen und einem Muster auf die Spur zu kommen: Welche Fehler wiederhole ich immer wieder? Bilden Sie darus folgende Kategorien:

  • Typ der Absage
  • Verbesserungsmassnahmen

Höre ich gut zu?

Möglicherweise liegt es nicht am Preis, was häufig als Absagegrund vorgeschoben wird. Vielleicht liegt es daran, dass

  • sich ein Interessent nur oberflächlich über Preise und Leistungen informieren will, Sie jedoch schon Feuer und Flamme sind sowie Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den potenziellen Kunden einzufangen.
  • Sie zu wenig klar kommunizieren, was Ihre Dienstleistung alles beinhaltet und welcher Aufwand zum angegebenen Preis führt.
  • Sie Ihr Produkt oder sich selber zu unsicher verkaufen, was das Gegenüber eine eher abweisende Haltung einnehmen lässt.
  • sich der Andere nicht wirklich verstanden fühlt – oder zumindest nicht an jenem Punkt abgeholt wird, wo er eben steht.

Ergänzen Sie die Liste mit weiteren möglichen Absagegründen.

Sind Sie mutig genug?

Na ja, meine Erwartungshaltung mag etwas hoch sein. Aber kann ich mein eigenes Angebot gut genug kommunizieren, so dass es mein Gegenüber auch versteht? Vielleicht setze ich zu viel Vorwissen beim andern voraus? Warum fühle ich immer ein Unbehagen, wenn ich den Preis nenne?  Verliere ich mich schon zu Beginn in Details statt die wichtigen Eckdaten des Auftrags abzuklären?

Warum bin ich bei einigen Kunden erfolgreich?

Warum nicht mehr?

Dieses Prozedere kann für Kunden wiederholt werden, die…

  • die Geschäftsbeziehung nach einer bestimmten Zeit abgebrochen haben.
  • nicht noch von weiteren Angeboten profitieren wollen (Upselling).

Diese Überlegungen sind noch wichtiger, weil Sie bereits über die Akquisitionsphase hinausgekommen sind: Bekanntlich ist die Gewinnung eines Neukunden wesentlich aufwändiger, als einen bestehenden Kunden zu halten oder die Geschäftsbeziehung zu vertiefen. Es lohnt sich daher direkt nachzufragen.

Und nicht vergessen: Selbstverständlich könnte es auch am Preis, am Gegenüber oder am Pech liegen.

15 Kreativitäts-Tipps: Ziele anders als gewohnt erreichen

Das Bild zeigt einen kreativen Auto-Scheibenwischer.

Kreativität ist, wenn … bereits Vorhandenes auf neue Weise verwendet oder kombiniert wird und dabei etwas Ungewohntes oder Überraschendes herauskommt, das gleichzeitig einen Nutzen stiftet. (Foto: lachschon.de)

Kreativ sein müssen alle. Kreativität in der Buchhaltung, Kreativität in der Erziehung, Kreativität als fester Bestandteil des persönlichen Lebenslaufs bei Stellenbewerbungen und in Stellenbeschrieben. Kreativität ist die Fähigkeit, neue Ideen, Lösungen und Verbindungen zu finden oder bereits Vorhandenes auf neue Weise zu verwenden und zu kombinieren. Kreativ ist ein Ergebnis dann, wenn dabei etwas Ungewohntes und Überraschendes herauskommt, das gleichzeitig einen Nutzen stiftet, der auch Dritten wirkliche Vorteile bringt.

Hier sind einige Kreativititätstipps aufgeführt:

Tipp 1 – Zeit nehmen

Kreativität entsteht niemals unter Stress, denn dieser erhöht Denkblockaden. Nehmen Sie sich für Kreativität Zeit.

Tipp 2 – Die liegende 8

Stellen Sie sich aufrecht hin und stellen Sie sich eine grosse, querliegende Acht vor. Folgen Sie dieser

Das Bild zeig eine liegende 8.

Mit den Augen den Kurven der liegenden Acht folgen, verbindet die linke und rechte Gerhirnhälfte.

Acht einige Male und beenden Sie den letzten Durchgang mit einer Aufwärtsbewegung.
Kreativität findet dort statt, wo Gegensätze aufeinander treffen. Durch die Übung „liegende 8“ werden die linke Gehirnhälte (rationale Aufgaben) und die rechte Gerhirnhälte (Phantasie, Gefühle etc.) aktiviert. So profitiert man von beiden Hemisphären.

Tipp 3 – Der Anker

Denken Sie an einen Moment, in dem Sie bereits einmal kreativ waren: Was haben Sie dort genau gemacht, gesehen, gehört oder gedacht? Versuchen Sie sich in diese Situation zurückzuversetzen: Schliessen Sie Daumen und Zeigefinger der nicht-dominanten Hand und nehmen Sie diesen Moment besonders intensiv wahr. Wenn Sie künftig in eine kreative Phase eintreten wollen, können Sie diese Erinnerung wieder aktivieren, in dem Sie Daumen und Zeigefinger wie beschrieben zusammenbringen.

Denkblockaden, Stress und Ängste können Kreativität verhindern. Die Ursachen liegen meist in überhöhten Erwartungshaltungen und an der fehlenden Zeit für einen solchen Prozess. Mit dieser NLP-Technik des Ankerns verfügt man quasi über einen „Schalter“, um einen gewünschten Zustand herbeizuführen.

Tipp 4 – Humor und Provokation

Eine Pointe lebt davon, dass etwas Unerwartetes geschieht. Das erfordert Denken in ungewohnten Zusammenhängen und Verknüpfen von ungewöhnlichen Bedeutungen, um so neue Verbindungen herzustellen. Humor und Provokation fördern diesen Kreativprozess.

Tipp 5 – Neue Wege gehen

Verlassen Sie die bekannten Trampelpfade: Tun Sie Dinge, die Sie sonst nicht täglich machen: Betrachten Sie ein Bild oder einen Kunstgegenstand, informieren Sie sich über ungewohnte Themen, suchen Sie bewusst den Kontakt mit Menschen, die anderer Meinung sind. Es ist erstaunlich, wie viele neue Dinge ich entdecke, wenn ich in meiner gewohnten Umgebung ausnahmsweise nicht geradeaus schaue, sondern ab und zu die erste oder zweite Etage von Häusern betrachte.

Tipp 6 – SMARTe Ziele setzen

Be SMART: Kreativität braucht Situationsspezifische, Messbare, Attraktive, Realistische, Terminierbare Ziele. Überhöhte Ziele bringen nichts: Ziele müssen der Situation angepasst, überprüfbar, attrativ und planbar sein.

Tipp 7 – Auf Wunder hoffen!

Das Bild zeigt zwei Figuren, die auf ein Wunder hoffen.

Wunder sind möglich – zumindest in unserer Vorstellung. Bekanntlich kann die Vorstellung Wunder wirken.

Stellen Sie sich vor, es würde über Nacht ein Wunder geschehen und es gäbe das bisherige Problem nicht mehr: Wie würde sich das bemerkbar machen? Diese Art der Betrachtung geht auf die Hypnotherapie zurück. Die Wunderfrage bringt die Gedanken hin zur Lösung und weg vom Problem. Diese Technik kann allein oder in Gruppen angewendet werden und eignet sich dann, wenn ein Problem als übermächtig empfunden wird und die Lösung in weiter Ferne zu liegen scheint.

Tipp 8 – Umkehrmethode

Die Sache verkehrt herum andenken, kann kreative Ideen fördern oder Verbesserungen bewirken. Statt sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie mehr Kunden gewinnen, machen Sie sich einmal Gedanken darüber, mit welchen Methoden Sie Kunden am besten verlieren können.
Das Problem wird umgekehrt: Der Blickwinkel öffnet sich dank der absurden Sichtweise und birgt oft ein grosses Verbesserungspotenzial, denn dadurch wird Betriebsblindheit überwunden. Selbstverständlich werden die neuen Ansätze schliesslich in ihr konstruktives Gegenteil übersetzt und auf ihre Umsetzbarkeit überprüft.

Tipp 9 – Osborne

Die Osborne-Methode beinhaltet neun Vorgehensweisen, um neue Lösungen zu kreieren:
1. etwas anders verwenden (als bisher üblich), 2. anpassen, 3. verändern, 4. vergrössern, 5. verkleinern, 6. umformen und ersetzen, 7. umkehren und ins Gegenteil verkehren, 8. kombinieren und 9. transformieren.

Zu allen neun Vorgehensweisen gibt es einige weitere Überlegungen. Folgende Fragen können Sie sich beispielsweise zu Punkt 1 „etwas anders verwenden“ stellen:

  • Welche Parallelen zu andern Funktionen oder Projekten lassen sich finden?
  • Kann die Idee in einen andern Kontext gestellt oder das Produkt anderswo eingesetzt werden?
  • Gibt es eine andere Zielgruppe oder einen neuen Verwendungszusammenhang für die bestehende Zielgruppe?

Tipp 10 – Walt Disney-Methode

Walt Disney erschuf seine berühmten Figuren und Geschichten, indem er der Reihe nach die Rolle des „Träumers“, des „Realisten“ und des „Kritikers“ einnahm:

  • Der Träumer entwickelt Ideen, Richtungen und Visionen, während
  • der Realist systematisch vorgeht und mit der konkreten Umsetzung beschäftigt ist.
  • Der Kritiker hinterfragt das Ganze und nimmt Ideen und Vorgehensweisen auseinander.

Dieses Spannungsfeld von „Alles-ist-möglich“ über „Nichts-geht-wie-geplant“ bis „Machen-wir-das-Machbare“ kann sehr viel zur Weiterentwicklung eines Projekts beitragen. Sobald die zur Debatte stehenden Fragen bewusst gemacht und das Problem oder die Ziele präzisiert wurden, kann man der Reihe nach diese Rollen selber einnehmen. Interessant ist, wenn Mitglieder eines Teams in die verschiedenen Rollen schlüpfen und so mit- und gegeneinander deren Extreme ausloten.

Tipp 11 – Brainstorming

Brainstorming ist eine der bekanntesten, assoziativen Kreativitätstechniken. Damit sie funktioniert, sind einige Grundregeln zu beachten. So kommt beispielsweise für einmal Quantität vor Qualität: Die Teilnehmer eines Brainstormings dürfen so viele und so unterschiedliche Ideen äussern wie nur möglich. Dies soll dazu führen, dass die andern Mitwirkenden durch die spontanen Äusserungen angeregt und inspiriert werden.
Wichtig ist, dass die Äusserungen vorerst nicht bewertet, sondern gesammelt werden. Wenn sich schliesslich eine Idee herausschält, so sind alle Urheber. Die Äusserungen werden anschliessend nach ihrer Verwendbarkeit bewertet und umgesetzt.

Tipp 12 – Brainstorming geht auch alleine

Brainstorming für Einzelpersonen ist ebenfalls möglich:

  • Formulieren Sie eine Aufgabenstellung und verwenden Sie zirka 20 Minuten, um Ideen zu finden.
  • Schreiben Sie die Gedanken auf, die Ihnen in der Brainstormingphase in den Sinn kommen (spontan, ohne zu werten). Wenn ein Gedanke niedergeschrieben ist, lassen Sie den nächsten folgen, bis Sie ein paar Dutzend Stichworte gesammelt haben.
  • Machen Sie eine Pause und strukturieren Sie Ihre Stichworte.

Beim Einzel-Brainstorming geht es weniger darum, Ideen zu finden, die sich direkt in die Praxis umsetzen lassen, als vielmehr Ansatzpunkte zu entwickeln, um über übliche Lösungsmuster hinauszudenken.

Tipp 13 – Anonymes Brainstorming

Mit einem anonymem Brainstorming wird die freie Meinungsäusserung gesichert. Zwar entfällt beim anonymen Brainstorming (vorerst) die gegenseitige Anregung zur Ideenfindung, dafür wird – gerade bei kontrovers diskutierten oder konfliktträchtigen Themen – die freie Meinungsäusserung gesichert.
Das ist insbesondere dann wichtig, wenn sich die Brainstorminggruppe aus Personen unterschiedlicher Hierarchiestufen zusammensetzt: Auch rangniedrige Mitglieder halten dann ihre Meinung weniger zurück.

Tipp 14 – Kreativität ist Zerstörung – destruktives Brainstorming

Kreativität ist Zerstörung! – “Um Neues zu kreieren, muss Altes weichen”, lautet das Motto des destruktiven Brainstormings: Man betrachtet alle Schwächen und Nachteile einer Idee, einer Dienstleistung oder eines Produkts. Danach folgt eine konstruktive Phase, in der das Problem definiert und neue Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Die Alternativen werden geprüft und eine konsensfähige Variante  weiterentwickelt.

Tipp 15 – Sechs Hüte – mehrere Perspektiven

Die sechs Hüte symbolisieren je eine Perspektive der Problembewältigung und bieten je eine andere Sichtweise. Dadurch lernen wir verschiedene Standpunkte kennen. Wer die Technik alleine anwendet, setzt sich die Hüte der Reihe nach auf.

  • Der weisse Hut: Objektivität, Neutralität, analytisches Denken – Zahlen und Fakten werden aufgelistet.

    Die sechs Hüte stehen für eine andere Sichtweise

    Jeder der sechs Hüte steht für eine andere Sichtweise auf den betreffenden Gegenstand oder Sachverhalt.

  • Der rote Hut: persönliches Empfinden, Subjektivität – positive und negative Gefühle zählen.
  • Der schwarze Hut: negative Sachargumente – es werden sachlich-rational Zweifel, Bedenken und Risiken geäussert.
  • Der gelbe Hut: objektive positive Eigenschaften – Chancen und Vorteile werden aufgezeigt.
  • Der grüne Hut: Kreativität, Alternativen – man denkt provokativ, widersprüchlich über das Bestehende hinaus.
  • Der blaue Hut: Kontrolle, Organisation – er behält die Übersicht und führt die einzelnen Positionen zusammen.

Die Resultate werden protokolliert und die Rollen getauscht.

Viel kreativen Spass!

Aus: Karsten Noack. Kreativitätstechniken, Schöpferisches Potenzial entwickeln und nutzen. 2005: Cornelsen Verlag.

Visual Content 2016: Mehr Dreck und Lärm in die Bilder

Auf dem Bild isst eine Schnecke an einer Kacke.

Messthetics – Ästhetik des Hässlichen: Die Bildmotive zeigen vermehrt hinter die Kulissen und setzen ein Gegengewicht zur scheinbaren Perfektion. (Bild: M. Schudel)

Bilder und Videos werden authentischer, surrealer, lärmiger. Das sind einige der Trends, die der Bildprovider Getty Images für 2016 voraussagt.

Ob das Bild mit der Kacke mampfenden Schnecke ein Augenschmaus ist, darüber lässt sich streiten. Zumindest hat Getty Images, einer der führenden Foto- und Video-Anbieter weltweit, „messthetics“ als einen von sechs Bilder-Trends 2016 aufgeführt: Das englische Wort „mess“ heisst so viel wie „Schweinerei, Unordnung, Verschmutzung, Dreck“ und „aesthetics“ bedeutet sehr verkürzt „Schönheitsempfinden“ – die Schönheit, die Ästhetik des Schweinischen, Hässlichen, Dreckigen also.

Bilder-Trends 2016

  1. Rebellion: Wer gilt heute nicht gerne als Rebell, der sich vom Mainstream abhebt? Auch Banken, Versicherungen, Autohersteller und Pharmagiganten stellen sich in ihren Imagebildern als Nonkonformisten oder  als Aussenseiter und Querdenker dar,  was der Kunde in einer individuellen „customer experience“ erleben soll.
  2. Menschliche Technik: Die Errungenschaften der Technik sind für uns segensreich. Dennoch stehen viele Menschen mit der Technik auf Kriegsfuss oder nehmen ihr gegenüber eine skeptische Haltung ein. Bilder werden die Technik menschlicher zeigen und visualisieren, wie unser Leben dadurch einfacher wird.
  3. Individualität im Quadrat: Der Wunsch nach himmlischen, paradiesischen Zuständen in unserem Leben („divine living“) schlummert in uns ebenso wie jener nach den speziellen und ausgefallenen Erlebnissen. Hier sollen uns die Bilder zeigen, wie wir uns besser fühlen und den Unterschied zu den Mitmenschen noch mehr herausarbeiten können. Zum Beispiel, wie wir ein guter Mensch oder Vater sind.
  4. Messthetics: Die Ästhetik des Drecks – wie in der Einleitung bereits erwähnt – setzt in Fotografie und Film mehr auf den Gegenpol von Perfektion: Schmieriges, Schleimiges, Totes und Hässliches sind im Trend. Scheinheiligkeit soll zerzaust und Verlogenheit demontiert werden.
  5. Lärm und Stille: Das Bild ermächtigt sich des Tons und überzeichnet ihn in den Extremen Stille und Lärm. Wie das? Einfachheit und
    Das Bild zeigt die brennende Giraffe von Salvador Dali.

    Alternative Realitäten, Phantasie und Traum: Die brennende Giraffe von Salvador Dali. (Bild: fr.wikimediation.org)

    Minimalismus sollen das Wesentliche in den Mittelpunkt stellen. Kleine Elemente in grossen Flächen setzen Akzente. Helle, warme Farben oder das weisse Nichts bestimmen die Darstellungen.

  6. Phantasie ohne Grenzen: Wer kennt nicht das Bild der brennenden Giraffe und der Frau mit den geöffneten Schubladen im Oberschenkel und im Brustkorb? Man muss ja nicht gleich zu einem Surrealisten wie Salvador Dali mutieren, doch der Phantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt, gemäss Getty Images. Die Realität darf phantasivoller werden und uns in Traumwelten verführen.

 

 

Warum wir das Geschenk mit der Schenkerei haben

Das Bild zeigt Sparkässeli als Geschenksäcke.

Geschenke können schön sein – schön gefährlich, denn mit dem Akt des Schenkens gehen Menschen eine Verpflichtung ein. (Foto: Markus Schudel)

Weihnachtszeit. Zeit des Schenkens. Jetzt geht’s so richtig los: Was schenke ich, was erhalte ich? Mache ich etwas selber oder kaufe ich es? Lasse ich die Schenkerei lieber bleiben? Nein, so ganz klappt das bekanntlich auch nicht. Menschen beschenken sich gerne. Und sie empfangen gerne Geschenke. Peinlich, wenn ich ein Geschenk erhalte, aber dem Schenkenden mit leeren Händen gegenüber stehe. Gross ist die Enttäuschung, wenn man jemanden beschenkt und der Beschenkte nicht an einen gedacht hat.  Überdimensionierte Geschenke, die einem die Sprache verschlagen. Oder die unbeliebten Geschenke, die man gar nicht haben will. Ganz zu schweigen davon, Geschenke nicht mit der entsprechenden Haltung zu übergeben oder zu empfangen. Geschenke bringen die Menschen seit jeher aus der Fassung – und halten die Wirtschaft in Schwung.

Es war einmal…

Es war einmal eine Inselwelt. Auf jeder Insel wohnten ein paar Menschen. Sie besuchten sich gegenseitig mit ihren Kanus und brachten sich Geschenke mit: Tiere, Felle usw. Einige Zeit später folgte der Gegenbesuch – ebenfalls mit Geschenken: Werkzeuge, Waffen usw. Denn Geld gab es damals noch nicht. Dabei wurde darauf geachtet, dass ungefähr die Äquivalenz erhalten blieb: Geschenke mussten etwa den gleichen Wert haben und innerhalb einer gewissen Zeit erwidert werden. Das ging so lang gut, bis die Schenkerei in einen Wettbewerb ausartete…

Der französische Soziologe und Ethnologe Marcel Mauss schrieb in seinem Klassiker „Die Gabe“ (Essai sur le don) über den Austausch von Geschenken in arachaischen Gesellschaften und insbesondere über die Verpflichtung, Geschenke erwidern zu müssen, denn es ging dabei „im Grunde um Zwang und wirtschaftliche Interessen“. Dieser Gabentausch war für die Menschen und Gesellschaften so zentral, dass Mauss dafür den etwas denkwürdigen Begriff „soziales Totalphänomen“ (fait total social) erfand:

Geschenke und Gegengeschenke als Grundlage des menschlichen und gesellschaftlichen Zusammenlebens.

…ein tödliches Geschenk

Geschenke haben etwas Zauberhaftes, gar Magisches. Und sie können sogar tödlich sein, wie wir von der griechischen Mythologie her wissen, als Odysseus die Idee hatte, den Trojanern ein hölzernes Pferd zu schenken: Den darin versteckten Kriegern gelang es nach zehnjähriger Belagerung, Troja endlich einzunehmen.

Wer hat noch nie eine Mail mit einem verheissungsvollen, geschenkten Inhalt erhalten, hinter dem sich aber ein zerstörerisches Virus befand; Trojaner genannt.

Noch nicht so lange ist es her, seit Frauen bei der Heirat eine Mitgift ins Eheleben einbringen mussten: Das waren grosszügig bemessene Gaben von ihren Familien. Damit gefiel man nicht nur dem Bräutigam und dessen Verwandtschaft, sondern behielt durch den „Geist“ der Gaben auch weiterhin Einfluss auf das Leben der Braut – für den Fall, dass sich die Erwartungen an die neue Verbindung nicht erfüllen sollten.

Weisse und schwarze Magie oder gar Tod durch Geschenke? Gefährlich!

Dilemma des Schenkens

Es gibt eine Unmenge solcher Beispiele über den Akt des Gebens, Nehmens und Erwiderns. Interessant ist sicher, dass dieser gegenseitige und verpflichtende Austausch von Gütern zwischen Menschen und Gesellschaften auch in der heutigen modernen Zeit nach wie vor und trotz Geldwirtschaft funktioniert – oder eben nicht funktioniert – und die Menschen aus der Fassung bringt, denn

  • wann stimmt der Austausch von Geld gegen Produkt für alle Beteiligten wirklich?
  • wer sagt von sich aus, dass er für den Einsatz seiner persönlichen Arbeitskraft genügend Geld erhält?
  • wann findet ein Kunde, dass er für eine Dienstleistung gerne mehr bezahlen möchte?
  • warum stossen wir uns daran, dass grosse Fussballveranstaltungen meistens dort ausgetragen werden, wo die überzeugendsten Geschenke herkommen?
  • was stört uns an Vetterliwirtschaft und Vitamin B, wo man anrüchige Machenschaften und Korruption vermutet? Dabei geht es eigentlich „nur“ um den gegenseitigen Tausch – seien es Jobs gegen Loyalität, Geld gegen Spiele, Vorteile, Treue oder was man sonst noch alles tauschen kann.
  • wer möchte schon wie US-Präsident Barack Obama bereits zu Beginn seiner Amtszeit mit dem Friedensnobel-Preis beschenkt werden und durch diese vermeintliche Ehre massiv unter Druck und Zugzwang geraten?

Man bringt den Beschenkten durch Geschenke in ein Schuldverhältnis, das ihn zwingt, das Gleichgewicht wieder herzustellen – und zu reagieren. Die Soziologen reden von asymmetrischer Reziprozität. Der Beschenkte wird ins Sekundäre verwiesen. Der Schenkende ist der Primäre und somit der Mächtige.

Wenn Sie also wieder unter Stress und Zugzwang bei der Schenkerei kommen, dann trösten Sie sich: Es geht nicht nur allen so, es wird auch immer so sein.

Und: Was auch immer Sie tun, Sie kommen nicht darum herum, ein Geschenk in irgendeiner Form zu erwidern.

 

Bibliographie:

Marcel Mauss. Die Gabe. Die Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften („Essai sur le don“). 1924: L’Année Sociologique.

 

 

Warum misslingen Dinge? – Es gibt eine Logik des Misslingens.

Spaghetti essen ist nicht einfach, wenn man falsch vorgeht.

„Spaghettis sind nicht gut, weil sie sich nicht essen lassen wollen.“ Wir sind frustriert, wenn etwas nicht so läuft, wie wir wollen. Dahinter gibt es eine Logik. (Foto: M. Schudel)

Manchmal laufen die Dinge nicht so, wie wir es wünschen: Projekte und Unternehmungen misslingen. Das hat verschiedene Gründe. Meistens wissen wir, wer oder was Schuld daran hat… Es gibt sogar eine Logik des Misslingens, wie Dietrich Dörner in seinem gleichnamigen Buch schreibt.

Schuld sind immer die andern…

Dietrich Dörner ist emeritierter Professor für Psychologie und führt vier Hauptursachen für Misserfolge auf:

  1. Entscheidungsprozesse entwickeln sich nicht so wie vorgesehen.
  2. Massnahmen werden zu schwach oder zu stark dosiert.
  3. Wichtige Voraussetzungen werden nicht berücksichtigt.
  4. Die Schuld für Unzulänglichkeiten wird bei den andern gesucht.

„Misserfolge entstehen durch zu enge Denkfiguren“,  folgert Dörner und schlägt als Lösungsansatz vor, vernetzter und in grösseren Dimensionen zu urteilen, mehr „Teilsysteme“ in das eigene Denken aufzunehmen und miteinzubeziehen, also facettenreicher und vielschichtiger zu reflektieren.

… und die hilflosen Zyniker.

Falsch ist, wenn man

  • keine Situationsanalyse macht, sondern wild darauf losarbeitet.
  • die Fern- und Nebenwirkunken eines Prozesses nicht berücksichtigt, also linear statt kausal beurteilt.
  • sich in Projektmacherei flüchtet und das Projekt nicht als Bestandteil eines grösseren Ganzen integriert.
  • Hilflosigkeit entwickelt, was meistens zu Zynismus führt.

Richtig ist, wenn man

  • entscheidungsfreudiger ist und seine Hypothesen überprüft.
  • die Warum-Frage häufiger stellt und sein eigenes Verhalten hinterfragt.
  • kritische, aber nicht zynische Stellungnahmen abgibt oder abgeben lässt.
  • geplante Massnahmen wirklich umsetzt.
  • die Verantwortung selber übernimmt und nicht delegiert.
  • nicht in Detailfragen hängen bleibt, sondern Probleme grundsätzlich löst.
  • schwierige Fragen nicht länger aufschiebt, sondern dann beantwortet, wenn sie anstehen.
  • mit der gewissen permanenten Unsicherheit während eines Projekts umzugehen lernt.

Gegen Risiken und Nebenwirkungen …

Die Welt, die Menschen und die Zusammenhänge werden in Zukunft nicht einfacher, prophezeiht Dörner. Im Gegenteil: Beziehungen werden dynamischer, komplexer, vernetzter und intransparenter. Das erfordert vermehrt prozesshaftes Abwägen, wobei gerade die Neben- und Fernwirkungen der eigenen Überlegungen nicht ausgeblendet werden dürfen. Andererseits müssen wir darauf achten, nicht einem Gruppendruck zu verfallen und uns gegenseitig aus Konformitätsgründen zu bestätigen.

… am besten mit vielen Zielen vorgehen.

Wenn wir ein Ziel erreichen wollen, so sollten wir wie folgt vorgehen:
1. Informationen sammeln, Situationen analysieren, Prognosen treffen und Ziele entwickeln.
2. Entscheidungen treffen.
3. Realisieren.
4. Resultate kontrollieren, Massnahmen anpassen, Projekt ausrichten oder Neustart wagen.

Wichtig sei, so das Fazit von Dörner,  übergeordnete Ziele nicht zu eng zu definieren, dafür umso mehr Teilziele mit klaren Kriterien zu entwerfen.

Aus: Dietrich Dörner. Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. 2003: Rowohlt.

Vision: Eine geschäftliche ist immer auch eine persönliche Standortbestimmung

Vision 2016 persönlicher und geschäftlicher Strategieprozess

Wenn der Inhaber eines Kleinbetriebs über seine Geschäftsziele nachdenkt, so ist das immer auch eine Frage nach seinen persönlichen Zielen. (Foto: Lionel Schudel)


 

„Wo stehe ich? Wo will ich hin?  Wie komme ich dorthin?“ – Wenn ein Kleinunternehmer seinen geschäftlichen Standort bestimmt, so stellen sich ihm vor allem auch Fragen zu seinen persönlichen Zielen, weil – insbesondere bei Einzelunternehmern – beide Perspektiven sehr eng miteinander verflochten sind.  Neulich organisierte die Wirtschaftskammer Baselland in Liestal einen Informationsabend zum Thema  der persönlichen Standortbestimmung.

Persönliche Standortbestimmung: Was kann ich wirklich gut?

Nehmen Sie sich genügend Zeit und beantworten Sie folgende Fragen konzentriert und systematisch:

  1. Wer bin ich? Blicken Sie zurück auf Ihr bisheriges Leben und beschreiben Sie wichtige persönliche, familiäre, berufliche und andere Erfahrungen. Was hat Ihnen besonders gefallen, was weniger? Was war für Sie besonders wichtig? Was zeichnet Sie Ihrer Meinung nach ganz persönlich aus? Wie sehen das Ihre Bekannten oder Ihre Familie?
  2. Was kann ich? Jetzt wird es konkreter: Was können Sie wirklich gut? Welches sind Ihre Stärken? Wenn Ihnen die Antworten darauf schwer fallen, fragen Sie andersherum: Was können Sie  nicht so gut?  Alternativ fragen Sie sich, was Sie (nicht) gerne tun.
  3. Was will ich? Wenn diese Persönlichkeits- und Eignungsfragen beantwortet sind,  gehts in die Zukunft: Was erwarten Sie vom Leben, sei es in privater oder beruflicher Hinsicht? Was sind Ihre Wünsche und Träume? Träumen Sie hier grenzenlos! Setzen Sie keine Grenzen!
  4. Wo will ich hin? Gut, nun zurück zur Realität: Es gibt halt doch  gewisse Grenzen, die wir beachten müssen. Aber wir können verschiedene Optionen durchspielen: Meine Vision für die Zukunft.
  5. Wie erreiche ich das alles? Jetzt kommt die Knochenarbeit: Komfortzone verlassen und TUN. Setzen Sie Meilensteine und stellen Sie ein paar Varianten auf,  die Sie bewerten. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, welche Hindernisse bewältigt werden?

Die Kunst wird nun sein, eine Variante zu verfolgen, die Meilensteine zu erreichen und zu prüfen, ob man die Ziele erreicht hat sowie entsprechende Korrekturen vorzunehmen – und vor allem: weiter zu machen.

Geschäftliche Standortbestimmung: Warum soll der Kunde zu uns kommen?

Der Strategieprozess – wie sich die geschäftliche Standortbestimmung und die Suche nach der Vision nennt – folgt ähnlichen Fragen, definiert die Unternehmensziele, fokussiert die Geschäftsaktivitäten, gibt dem Betrieb sein eigenes Profil und differenziert ihn von den Mitbewerbern.

  1. Wer sind wir und wer sind die andern?

    • Eigenanalyse: Wer sind wir? Woher kommen wir? Was machen wir? Warum braucht es uns?
    • Zielgruppenanalyse: Wer sind unsere Kunden? Welche Eigenheiten und Bedürfnisse haben sie? Wer ist sonst noch wichtig?
    • Mitbewerberanalyse: Wer sind unsere Konkurrenten? Was machen diese? Was unterscheidet uns voneinander?
    • Umweltanalyse: Welche wirtschaftlichen, sozialen und anderen Gegebenheiten müssen wir berücksichtigen?
  2. Was können wir und warum soll der Kunde zu uns kommen?
    • Stärken und Schwächen: Welche Erkenntnisse ziehen wir aus den Analysen? Welches sind unsere Stärken?
    • Alleinstellungsmerkmal: Was zeichnet uns im Besonderen aus? Wie heben wir uns und unser Angebot im Speziellen von andern ab?
    • Kundennutzen: Welchen Nutzen hat der Kunde von unserem Angebot? Warum soll der Kunde zu uns kommen?
    • Angebot: Was genau ist unser Produkt? Was kostet es? Welche Zusatzleistungen gibt es ausserdem?
  3. Was wollen wir erreichen und wie kommunizieren wir das?
    • Vision: Wo wollen wir in fünf Jahren stehen? Was haben wir bis dann erreicht?
    • Ziele: Welche qualitativen und quantitativen Ziele setzen wir uns für das nächste Jahr?
    • Botschaft: Wie kommunizieren wir unseren Betrieb und unser Angebot?
  4. Wie erreichen wir das alles: Mit welchen Massnahmen und Ressourcen?
    • Umsetzungsmassnahmen: Welche Massnahmen und Mittel setzen wir ein, um die Ziele zu erreichen?
    • Zeitplan und Meilensteine: Wann setzen wir welche Massnahmen um?
    • Budget: Welches finanzielle, zeitliche und personelle Budget setzen wir dafür ein?
  5. Haben wir die Ziele erreicht und wie geht es weiter?

    • Erfolgskontrolle: Haben wir unsere qualitativen und quantitativen Ziele erreicht? Mehr zur Erfolgskontrolle…
    • Neuausrichtung: Müssen wir Korrekturen vornehmen? Wie gehen wir weiter vor?

Auch bei der geschäftlichen Standortbestimmung liegt die Schwierigkeit darin, die Schlüsse aus dem Strategieprozess im Geschäftsalltag umzusetzen, die gesteckten Ziele zu erreichen und zu korrigieren  – aber vor allem: weiter zu machen.

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