Webanalyse: „Da waren es nur noch…!“ – Wie Statistiken täuschen, ohne dabei zu lügen.

Eine Treppe als Symbol für steigende Zahlen

Haupsache: Hinauf! – Wir lieben es, wenn Statistikkurven nach oben zeigen, weil hinauf besser als hinab ist… (Foto: M. Schudel)

Letzthin schnappte ich am Nachbartisch in einem Bistro folgende Bemerkung auf: „Ich habe täglich 150 Besucher auf meinem Blog.“  Dafür erntete der stolze Blogger einen anerkennden Kommentar seines Gegenübers. Nicht dass ich ständig Tischnachbarn belausche, aber ich hätte diese Aussage gerne hinterfragt. Wahrscheinlich hat der Betreffende nicht geblufft, aber Zahlen sind relativ, wenn man sie genauer analysiert.

 Absprungrate (Bounce Rate)

Analytics Besuchszeit Absprungrate und Ausstieg

„Da waren es nur noch 100…!“ Eine Absprungrate von knapp 28 Prozent bedeutet, dass mehr als ein Viertel der Besucher eine Webseite nach wenigen Sekunden wieder verlässt. (Quelle: Analytics)

Sehr ernüchternd kann alleine die Bounce Rate sein: Mit der „Absprungrate“ werden jene Besucher einer Webseite gezählt, die nur eine einzelne Seite aufrufen und sich nach wenigen Sekunden wieder verabschieden, weil sie kein weiteres Interesse aufbringen und damit auch nichts vom Inhalt erfahren wollen. Eine Bounce Rate von über 50 Prozent erfordert eine Analyse:

  • Warum springen die Besucher so schnell wieder ab, und woher stammt der Traffic, der einem solche Kürzest-Besuche beschert?

Besuchsdauer und Ausstieg

Durchschnittlich 30 Sekunden, eine Minute oder zwei? Testen Sie Ihr eigenes Surfverhalten und messen Sie die Zeit, die Sie auf einer einzelnen Seite verbringen, ehe Sie weiterziehen. Manchmal genügen Sekunden, um  die Inhalte zu erfassen und entsprechend zu handeln. Wenn Sie einen Text lesen, benötigen Sie vielleicht zwei Minuten. Was folgt danach: Schauen Sie sich weitere Seiten der gleichen Domain an?

  • Wie lange vermögen Ihre Inhalte die Besucher in Bann zu ziehen?

Besuche oder Besucher – neu oder wiederkehrend?

Verwechseln Sie die Anzahl Besuche nicht mit jener der Besucher, denn gewisse Besucher statten Ihrem Internetauftritt mehrere Besuche ab, was zwar die absolute Zahl senkt, jedoch nicht negativ ist – im Gegenteil: Besucher, die wieder kommen, signalisieren, dass die Inhalte relevant sind. Je nach Quelle und Medium sind diese Zahlen sehr unterschiedlich: Bezahlte Werbung bringt eher neue Besucher und kürzere Besuchszeiten, während die Social Media vermehrt wiederkehrende Gäste mit längerer Verweildauer bescheren.

  • Kehren Ihre Besucher zurück, und wie viele Seiten schauen sie sich durchschnittlich an?

Herkunft nach Land und Ort

Analytics Herkunf nach Ländern und Besuchsdauer nach Orten

„Da waren es halt wieder ein paar weniger…!“ Ob Ihnen Besuche aus USA, China oder Mexico etwas bringen? Und ob die Besucher aus Dietlikon und München mit je fünf Sekunden Verweildauer wirklich etwas von Ihrem Angebot wahrgenommen haben? (Quelle: Analytics).

Wahrscheinlich sind Sie kein Global Player, dessen Kunden überall auf der Welt zuhause sind, sondern beschränken sich beispielsweise auf deutschsprachige Gebiete, die Deutschschweiz oder nur die Region Basel. Wenn Sie oben die Statistik betrachten, so kommen Sie zum Schluss, dass Ihnen die 104 Besuche aus der Schweiz und Deutschland dienlich sind, die andern 50 bis 60 Besuche wahrscheinlich eher weniger (Spalte links). Gehen Sie noch einen Schritt weiter und betrachten die Besuchsdauer nach Ort (Spalte rechts): In Ordnung sind die Besuche aus Bad Bentheim, Zürich, Genf, Basel, Reinach, Bern und Sinsheim.

  • Aus welchem Land und aus welcher Stadt kommen Ihre Besucher?

Eigene Besuche eliminieren

Sie aktualisieren Ihre Webseite, pflegen neue Inhalte ein oder optimieren für die Suchmaschinen. Inbesondere Blogger verbringen viel Zeit auf der eigenen Webseite und verfälschen damit die Statistik. Es bringt jedoch nichts, wenn die eigenen Besuche mitgezählt und die Zahlen so besser weden. Installieren Sie das Browser-Add-on zur Deaktivierung von Google Analytics  auf jedem Browser, den Sie häufiger verwenden: Firefox, Edge / Internet Explorer, Chrome, Opera, Safari etc.

  • Zählen Sie Ihre eigenen Besuche ebenfalls mit?

Referrer-Spam entfernen

Analysieren Sie auch einmal die Übersicht „alle Zugriffe“:  Sie werden dort vermutlich einige Quellen finden, die Ihnen (scheinbaren) Traffic auf

Analytics Ausschlussliste

„… und nochmals ein paar weniger…! Unter den Zugriffen werden Sie Links finden, die Ihrer Webseite zwar Traffic bescheren, aber nichts bringen: Referrer-Spam. (Quelle: Analytics)

der Webseite bescheren. Dabei handelt es sich um Spam. Meistens landet man auf einer Verkaufsplattform. Sie haben zwar nichts von diesem Referrer-Spam zu befürchten, aber er verfälscht Ihre Statistik ebenso. Wie Sie der Zugriffs-Statistik entnehmen, sind das in diesem Fall gut 160 Zugriffe von Seiten wie „share-buttons.xyz“, „site-26099152-.snip.tw“ oder „traffic2cash.xyz“ usw.

Im Analytics-Account können Sie diese Domains unter der Rubrik „Verwalten“ / „Property“ / „Tracking-Informationen“ und „Verweis-Auschlussliste“ hinterlegen und so den Traffic von dort unterbinden.

Gut, dass ich dem stolzen Blogger mit seinen täglich 150 Besuchern nicht alles laut vorgerechnet habe. Zahlen sind halt relativ, insbesondere in Statistiken.

Neue Webseite oder Relaunch: An was denken? – Eine Checkliste

neue Webseite oder Relaunch

Neue Webseite oder Relaunch: Warum überhaupt? Wie soll das Erscheinungsbild sein? Welche Inhalte? Welches Content Management System? – Das sind nur einige Fragen unter vielen. (Foto: M. Schudel)

Denken Sie an einen neuen Internetauftritt oder möchten Sie die bestehende Webseite einem Relaunch unterziehen?  Diese Checkliste hilft bei der Beantwortung der wichtigsten Fragen.

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SEO: Doch lieber einen Mann! – Wie Sie nach den richtigen Keywords suchen

Keywordsuche: Perspektive wechseln

Für die Suche nach Keywords, mit denen Ihr Angebot in den Suchmaschinen oder in Online-Ads gefunden werden soll, müssen Sie unterschiedliche Blickwinkel einnehmen. (Foto: Markus Schudel)

 

Wie sucht man nach den richtigen Keywords (Schlüsselbegriffe) und -Kombinationen für sein Angebot? Die Wahl und die wiederholte Verwendung einiger wichtiger und passender Begriffe helfen dabei, in den Suchmaschinen besser gefunden zu werden. Nehmen Sie dazu verschiedene Perspektiven ein.

Vier Perspektiven

Sie kennen Ihr Produkt und Ihre Dienstleistung genau. Aber:

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Fokus statt Neid – wie Columbus mit dem Ei

Ei, Ostern, Osterei: Das Gelbe vom Ei suchen

Das Ei als Symbol für nicht verwirklichte Chancen und natürliche Fähigkeiten. (Bild: Fotolia)

Columbus war nach der Entdeckung Amerikas ein gefragter Mann. Viele verehrten und beneideten ihn. Der spanische Kardinal Mendoza veranstalte ihm zu Ehren ein grosses Festmahl und versuchte seinen Gast vor den Anwesenden zu diskreditieren, indem er ihm vorhielt, die Neue Welt hätte auch problemlos von andern entdeckt werden können.

„Das könnte jeder“

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Soll ich meinen Onlineshop auf Facebook anmelden?

Pferd von hinten - das Pferd nicht von hinten aufzäumen.

Ein Pferd von hinten aufzuzäumen, ist bekanntlich falsch. Bevor eine Massnahme eingesetzt wird, solltest Du Dir ein paar konzeptionelle Fragen stellen. (Foto: Fotolia)

Anita, die in der Freizeit mit ihrem Mann zusammen einen Onlineshop für Pferdezubehör betreibt, fragt mich, ob und wie sie auf Facebook auftreten soll. Sie müsse etwas tun, denn es gebe immer mehr Konkurrenz im Internet. Viel Zeit für den Webshop bleibt dem Ehepaar mit den vier Kindern neben der Erwerbstätigkeit nicht. Die beiden verrichten die damit verbundene Arbeit vorwiegend in den Abendstunden und an den Wochenenenden.

Es kommt darauf an…

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5 Tipps, wie Sie im Verkaufsgespräch authentischer wirken

Gastbeitrag von  Dr. Irmtraud Lang

Das Bild zeigt eine Frau, die echt wirkt.

Authentizität: Machen Sie aus Ihrem Kundengesrpäch ein Versprechen! – Vor allem auch auf Mimik, Gestik und Körperhaltung kommt es bei einem Verkaufsgespräch an. (Bild: Fotolia)

Zum Tag der Kranken hielt Bundesrat Johann Schneider-Ammann eine ungewollt komische Rede. Peinlich für ihn, lustig für die Spötter und sogar für Medien wie die Washington Post. Was wir vom Bundesrat lernen können: Seiner Rede mangelte es komplett an Authentizität.

Machen wir es besser?

Was wir aus seinem Fauxpas mitnehmen, ist die Frage, wie wir es selbst besser machen können, zum Beispiel im nächsten Verkaufsgespräch:

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Content: Vieles, was sich in die Länge zieht, ist die Höhe.

Inhalte dürfen lang sein, wenn sie dadurch nicht an Tiefe verlieren.

„Lange Bänke soll man lieben. Vieles lässt sich darauf schieben.“ Zur Frage nach Länge und Erscheinungshäufigkeit von Inhalten auf Blogs und in andern Publikationen. (Bild: Markus Schudel)

Ein Geschäftspartner schrieb mir, er fühle sich von der Länge meiner Blogartikel „erschlagen“. Ich war etwas pikiert. Gut, ich gab ihm kurz zuvor eine „pingelige“ Rückmeldung zu seiner Zufriedenheitsumfrage, was ihn ein bisschen mukschte. Kleine Retourkutsche also. Mittlerweile ist alles wieder im Butter zwischen uns. Dennoch: „Was sich in die Länge zieht, ist häufig die Höhe“, meint Erhard Bellermann, ein deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker.

Die Länge trägt die Last

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TouchPoints: Wie mit all diesen Massnahmen berühren?

Das Bild zeigt die Berührung zwischen E.T. und Elliott: Mit welchen Massnahmen erreichen und berühren wir die Zielgruppen?

Wie und mit welchen Massnahmen die Zielgruppen erreichen? – Am besten mit einer unvergesslichen Berührung wie jener zwischen dem Extra-Terrerstrischen E.T. und Elliott (Bild: celebratemovies.wordpress.com)

Sie haben eine Vision für Ihren Kleinbetrieb. Sie setzen sich Ziele für dieses Jahr und fürs nächste. Sie sind sich des Nutzens Ihres Angebots für die Kunden gewiss. Sie wissen, wen Sie ansprechen wollen. Und Sie kennen die Botschaft, die Sie vermitteln möchten. Jetzt stehen Sie vor der Umsetzung, genauer gesagt: vor einer unüberschaubaren Vielfalt an möglichen Marketing- und Kommunikationsmassnahmen. Verschaffen Sie sich eine Übersicht.

Wer die Wahl hat, …

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Limbic success: Erfolgstipps aus der Steinzeit

Das Bild zeigt einen Affenmenschen.

Wir reagieren emotionaler als uns lieb ist und sind unseren Steinzeitvorfahren näher als wir gerne wahrhaben möchten. Das eröffnet auch Chancen, wie die Hirnforschung herausgefunden hat. (Bild: unbekannte Herkunft)

Der Mensch wird zu 80 Prozent vom limbischen System gesteuert, einer unbewussten Ebene im innersten Kern des Gehirns. „Limbic Success“ heisst das Buch von Georg Häusel, der aufzeigt, wie man die unbewussten Regeln des Erfolgs anwendet.

Von Vernunft kann keine Rede sein

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Darum verzichten Sie besser auf einen Newsletter

Das Bild zeigt einen Bläser mit einem einfachen Blasinstrument

Wer einen Newsletter versenden will, sollte sich einige Gedanken zu Inhalt, Gestaltung, Erscheinungshäufigkeit, Zeitaufwand usw. machen. (Foto: Markus Schudel)

Von einem Newsletter verspricht sich der Absender viel. Täglich treffen mehr oder weniger beeindruckend gestaltete, verheissungsvolle Infos in der Mailbox ein: zur mehrwöchigen Cuba-Reise, zum neusten Mini-Cooper, zur Weiterbildung an der Fachhochschule, zu Kleider, LED-Lampen, Druckerpatronen oder Viagra-Pillen. In deutscher, englischer, chinesischer Sprache. Viele verdammen die unerwünschte Online-Post – etwa so wie Telefonanrufe eines Callcenters. Entsprechend häufig wird nach dem Unsubscribe-Link gesucht, um sich wieder abzumelden.

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